Psychoanalyse

Sigmund Freud (Österreich)



Das Erforschen von unbewussten oder verdrängten Ereignissen aus der Vergangenheit zur Bewältigung aktueller Konflikte.

KURZVERSION

Die Psychoanalyse ist eine Psychotherapieform, die 1890 von Sigmund Freud begründet wurde und seitdem immer weiter entwickelt und stark modifiziert wurde. Damals wie heute steht jedoch das Unbewusste im Zentrum der Analyse. Unbewusste Faktoren können das Handeln und die Emotionen beeinflussen und zu inneren Konflikten führen. Durch das Erforschen und Bewusstmachen dieser unbewussten Faktoren soll eine Linderung bzw. Heilung der Beschwerden erreicht werden. Oft handelt es sich bei diesen Faktoren um frühere Ereignisse aus der Kindheit oder traumatische Erfahrungen, die nicht vollständig verarbeitet wurden. Traumdeutung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Psychoanalyse, da in Träumen oft Konflikte nachbearbeitet werden. Die Beziehung zwischen dem Analytiker und dem Patienten ist bei der Behandlung von großer Bedeutung und setzt Sympathie und Vertrauen voraus. Bei dem typischen Setting liegt der Analysand auf einer Couch und berichtet frei assoziierend von seinen Gedanken und Gefühlen. Der Analytiker sitzt hinter dem Patienten, hört zu und teilt seine Deutungen mit. Die klassische Analyse ist auf drei bis fünf Stunden pro Woche und eine Dauer von mehreren Jahren angelegt, wobei die gesetzliche Krankenversicherung bis zu 300 Stunden übernimmt. 

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PERSÖNLICHE EXPERTENMEINUNG

Udo hock

Dr. Udo Hock arbeitet als Psychoanalytiker in freier Praxis (DPV/IPV); Herausgeber und Übersetzer der Werke des französischen Psychoanalytikers Jean Laplanche. Er ist Autor des Buches „Das Unbewußte Denken“ (2014) und hat zahlreiche Artikel in mehreren Sprachen veröffentlicht. Sein Interesse gilt insbesondere der französischen Psychoanalyse.

Bereits seit meinem Psychologiestudium in den 80er Jahren habe ich mich intensiv mit der Psychoanalyse beschäftigt. Sie ist ja sozusagen zugleich Vater und Mutter aller nachfolgenden Therapieverfahren. Nach einem ersten Auslandsaufenthalt in Paris in jener Zeit habe ich begonnen, die Psychoanalyse zu lieben. In Frankreich durchdringt sie alle Bereiche menschlichen Lebens, sie ist ein Teil der Alltagskultur und sowohl an den Schulen wie auch Universitäten sehr präsent. Das hat mir imponiert und gefallen. Seit jener Zeit wusste ich, dass ich Psychoanalytiker werden wollte. In den 90er Jahren entschied ich mich dann für eine Ausbildung an einem klassischen psychoanalytischen Institut in Berlin. Ich wurde dadurch auch mit der Praxis der Psychoanalyse vertraut und arbeite inzwischen seit vielen Jahren hauptberuflich in eigener Praxis.

 

Die Psychoanalyse hat ja von Anfang an viel Kritik auf sich gezogen, sowohl was ihre theoretischen Grundlagen als auch ihre praktische Handhabung anbelangt. Sicher, es gab und gibt in beiden Bereichen einen Hang zur Orthodoxie, der einen Teil dieser Kritik rechtfertigt. Doch geht es ja in der Psychoanalyse um die Erforschung des eigenen Unbewußten, d.h. um denjenigen Teil unserer Persönlichkeit, von dem wir letztlich nichts wissen wollen. Er zeigt sich insbesondere über unsere Symptome, also Ängste, Zwänge, Hemmungen, Versagen. Der Zugang zu dieser Schattenseite unseres Lebens ist meiner Erfahrung nach nicht einfach zu bekommen. Er ist aufwendig und erfordert viel Zeit – kein Wunder, dass er auch Kritik auslöst. Immerhin: Da die Krankenkassen ein bestimmtes Stundenkontingent finanzieren, steht das Verfahren auch weniger begüterten Menschen offen. Bekanntlich ist die Psychoanalyse ja sehr stark auf den Patienten fokussiert: innerhalb eines festgelegten Rahmens (mehrmalige Sitzungen pro Woche im Liegen) erhält er die Freiheit, all seinen Einfällen nachzugehen und sie mithilfe des Psychoanalytikers produktiv zu verbinden. Wir nennen das die Methode der freien Assoziation. Sie beruht darauf, dass wir glauben, dass das vermeintliche Wissen des Analytikers dem Patientin nichts nutzt, solange er nicht selbst Zugang zu seinen verschütteten und verdrängten Konflikten findet. Der Patient wird also weder direktiv angeleitet noch geführt, sondern ist in hohem Maße selbst aktiv im Prozess um die Erweiterung seiner Selbsterkenntnis. Kein Wunder, dass dieser Prozess offen ist und nicht vorausgesagt bzw. vorherbestimmt werden kann. Gerade deshalb ist es auch ein persönliches Abenteuer, dem sich der/die Analysant/in unterzieht.

 

Besonders wichtig ist es mir, potentielle Interessenten an der Psychoanalyse darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, sich eine(n) Psychoanalytiker(in) sehr genau auszusuchen. Eine Psychoanalyse ist ein sehr intimes Unterfangen, das einfacher zu beginnen ist, wenn sich nicht bereits in den Vorgesprächen allzu viele ambivalente oder gar negative Gefühle gegenüber dem/r Analytiker/in zeigen. Schließlich würde ich eine Psychoanalyse all jenen empfehlen, die nicht allzu sehr auf die Auflösung ihrer Symptome fixiert sind, sondern mindestens ebenso sehr bereit sind, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, die in eine Sackgasse geführt hat („ich kann nicht mehr arbeiten“, ich kann nicht mehr lieben“). Abschließen möchte ich mit einem allgemeinen Urteil: Sicherlich hat die Psychoanalyse das Denken des Menschen über den Menschen im 20. Jahrhundert mehr revolutioniert als jede andere Theorie. Und sie birgt Schätze, die immer noch nicht gehoben sind!

ERFAHRUNGSBERICHTE

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teils teils

Ich habe keine Einzelanalyse gemacht sondern Gruppentherapie, das heißt, einmal wöchentlcih ca. 8 feste Gruppenteilnehmer und der Analytiker. Er selbst sagte während der Sitzungen eigentlich eher wenig, gab nur abschließend seine Deutungen kund.
Hat es irgendwas gebracht? Auf jeden Fall: es war wohl wie in jedem Gruppensetting schon mal hilfreich zu sehen, dass andere Menschen auch (ähnliche) Probleme haben. Auch wiederholten sich bekannte Dynamiken z.b. aus der Familie in der Gruppe, die dann aufgegriffen und bearbeitet werden konnten. Manche Deutung vom analytiker war auch erhellend, ich mochte besonders seine Hinweise zu Träumen.
Auf der anderen Seite hat mich geärgert, dass es immer wieder auf die selbe Formel zulief: Sie sind so, weil ihre Eltern damals blabla. Na und? Was bringt mir das Verstehen, dass ich mich vielleicht schwer tue auf eine Beziehung einzulassen, weil mein Vater uns verlassen hat als ich 12 Jahre alt war. Mir war das zu fatalistisch gedacht. Ich habe später in anderen Therapien gemerkt, dass mich eine positive Psychologie, lösungs- und ressourcenorientierung mir mehr gibt. Als ich nach einem Jahr die Gruppe verließ, weil ich einen Studienplatz in einer anderen Stadt bekam hatte ich den Eindruck, der Analytiker sei gerade zu persönlich gekränkt. Er verabschiedete mich mit den Worten “Sie müssen auf jeden Fall weiter machen mit einer Therapie sonst werden sie große Probleme bekommen”. Was für eine negative Prophezeiung war das denn bitte? War bestimmt gut gemeint aber völlig daneben.

Ich denke die Analyse hat auf jeden Fall kostbares beizutragen, Freunde von mir haben langjährige Analysen hinter sich, teilweise mehrmals die Woche liegend, und sind sehr dankbar dafür. Es gibt wie so oft nicht DIE Analyse sondern es steht und fällt mit dem Analytiker. Und die Frage die ich mir stelle ist, gibt es nicht auch schnellere Wege und ich meine Antwort ist JA.


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